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Peter GRAY: Widerstände gegen den fundamentalen Wandel im Bildungswesen

Peter Gray

Widerstände gegen den fundamentalen Wandel im Bildungswesen

 

Weshalb Bildungsreform außerhalb des Schulsystems stattfinden muss

In früheren Artikeln habe ich Belege für die folgenden Behauptungen vorgestellt:

1) Der kindliche Instinkt, selbständig zu spielen und zu forschen, bildete die Grundlage der Bildung im Lauf unserer langen Geschichte als Jäger und Sammler.

2) Die heutigen Kinder können sich sehr gut selber bilden, ohne Zwang oder Aufforderung bzw. Führung durch Erwachsene, sofern ihnen ein Umfeld zur Verfügung gestellt wird, das ihren Spiel- und Forschertrieb unterstützt.

3) Herkömmliche Schulen wurden zu dem was sie heute sind aufgrund von historischen Umständen, die die Menschen dazu bewogen, das Spiel abzuwerten, zu meinen, der Wille von Kindern müsse gebrochen werden, und zu glauben, alles Nützliche, inklusive Lernen, erfordere Mühe.

Heute verstehen viele Leute den erzieherischen Wert von freiem Spiel und Forschen, bedauern, dass den Kindern verhältnismäßig wenig Gelegenheit für solche Aktivitäten gegeben wird und glauben, dass der kindliche Wille eine positive Kraft für ihre Entwicklung, Bildung und Lebensfreude ist. Aber die Schulen funktionieren immer noch auf dieselbe Art. Tatsächlich nehmen konventionelle Beschulung und ähnliche, von Erwachsenen geführte Tätigkeiten einen immer größeren Bruchteil der Lebenszeit von Kindern ein. Warum ist es so schwierig, diesen Trend umzukehren? Warum fällt es so schwer, grundlegende Veränderungen innerhalb des Schulsystems durchzusetzen?

Ich behaupte nicht, auf diese Fragen eine vollständige Antwort zu wissen, aber hier folgt nun eine Skizzierung meiner Gedanken zu den Kräften, die es so schwierig machen, das Bildungssystem fundamental zu verändern.

 

Die Normalität der herkömmlichen Bildung

Wie Sozialpsychologen oft feststellen, nehmen Menschen Erstaunliches auf sich, um normal zu erscheinen. Wenn wir uns anders verhalten als die Norm, lehnen uns unsere Mitmenschen vielleicht ab, und für uns als soziale Wesen gibt es nichts Schlimmeres als Ablehnung. Wenn in einer bestimmten Kultur jeder die Füße der Mädchen abbindet und sie dadurch verkrüppelt, dann tun das selbst die Eltern, die an eine solche Praxis nicht glauben, nur damit ihre Töchter nicht auffallen. Und wenn in der Nachbarschaft alle Kinder eine konventionelle Schule besuchen, dann wird man ein Kind, das etwas völlig anderes tut, möglicherweise als absonderlich ansehen, und die Eltern außerdem als nachlässig.

Als Beleg dafür, in welchem Maß wir Kinder heutzutage mit ihrer normalen Beschulung identifizieren, höre man sich fast jede beliebige Unterhaltung zwischen einem Erwachsenen und einem Kind an, das er gerade kennen gelernt hat: « In welche Klasse gehst du denn? », « Welches Schulfach hast du am liebsten? », « Magst du deine Lehrerin? », « Freust du dich darauf, zur Schule zu gehen? », … . Wir müssen ganz neue Wege finden, um Kinder anzusprechen, die solche Schulen nicht besuchen.

Neuartige Schulen, deren Prinzipien von denen herkömmlicher Schulen stark abweichen, ziehen verhältnismäßig wenige Studenten an, selbst aus der Gruppe derer, die an ihre Prinzipien glauben, und zwar wegen ihrer Angst etwas zu tun, das anormal aussieht. Kinder, die sich dann doch für den Besuch einer solchen Schule entscheiden, brauchen eine Menge soziale Unterstützung, um diese Angst zu meistern, und ihre Eltern erst recht.

 

Die sich selbst erfüllenden Prophezeiungen der konventionellen Beschulung

Die konventionelle Beschulung hat Denk- und Handlungsweisen Vorschub geleistet, die ihre eigenen Prämissen zu sich selbst erfüllenden Prophezeiungen machen. Diese Prämissen erscheinen wahr, weil wir sie im Rahmen der herkömmlichen Beschulung bewerten, und mit den Kriterien, die diese festgelegt hat.

Ein Beispiel einer solchen Prämisse ist: « Schulen müssen Kinder zum Lernen motivieren. » Unzählige Male habe ich Eltern getroffen, die glauben, dass unkonventionelle Schulen wie Sudbury Valley gut bei « selbstmotivierten Kindern » funktionieren, aber nicht bei ihren eigenen, da diese « nicht selbstmotiviert » seien. Und die Kinder glauben das oft auch. Sie sagen Dinge wie, « Ich brauche Lehrer, die mich antreiben, sonst tue ich den ganzen Tag nichts. » Wieso meinen Menschen in unerer Kultur, dass Kinder im Schulalter nicht viel lernen, wenn man sie sich selbst überlässt? Fast niemand denkt so über jüngere Kinder, und in Jäger-und-Sammler-Kulturen denkt man es gar nicht.

Ein Grund für die Meinung, dass Kinder im Schulalter keine Lust haben selbständig zu lernen, stammt daher, dass in unserer Kultur im Allgemeinen die vom Schulsystem vorgegebene Definition von Lernen gilt. Wenn wir Lernen definieren als das Erledigen von Hausaufgaben oder von Arbeiten mit einem hausaufgabenähnlichen Charakter, dann ist es sicher richtig, dass nicht beschulte Kinder und solche, die freie Schulen besuchen, wenig Zeit mit Lernen verbringen. Stattdessen beschäftigen diese sich auf unvorhersehbare Weise mit Spielen und Erforschen und erwerben das Wissen und die Fertigkeiten ihrer Kultur nebenher.

Ein weiterer Grund für die genannte Meinung liegt darin, dass Kinder, die die ganze Zeit an einer konventionellen Schule verbringen und dort Prüfungen ablegen und Aufgaben erfüllen, die sie nicht wollen, sich nachmittags gerne entspannen oder austoben, so wie ihre Eltern nach einem stressigen Arbeitstag. Dies vermindert ihre Möglichkeiten, sich völlig der Art von Spiel, Erforschung und Unterhaltung hinzugeben, die wir am ehesten als lehrreich empfinden.

Noch ein Beispiel für eine sich selbst erfüllende schulische Prophezeiung ist, dass gute Leistungen in der Schule anschließenden Erfolg verheißen. Wir Erwachsenen haben diese Vorhersage wahr gemacht, indem wir für die Kinder eine Welt aufgebaut haben, in der wir Erfolg vor allem mit hoher schulischer Leistung verknüpfen. Die Aufgabe der Kinder besteht darin, in der Schule gute Noten zu bekommen, und dafür gibt es jede Menge Anreize. Gute Noten sind das Kriterium, um in die nächsthöhere Klasse des abgestuften Schulsystems aufzusteigen, um es ins Ehrenbuch zu schaffen, um sich für die Teilnahme an Sportveranstaltungen zu qualifizieren, um ins Gymnasium aufgenommen zu werden, um die Mitgliedschaft in begehrten Clubs zu erhalten, um den Erwachsenen zu gefallen und so weiter. Mit all diesen Messwerten für Erfolg verheißen hohe schulische Leistungen, wie sie mit Noten bewertet werden, natürlich auch gute nachfolgende Aufstiegschancen.

 

Wir werden außerdem ständig mit Statistiken konfrontiert, die eine Korrelation zwischen der Anzahl von Studienjahren und beruflichem Erfolg, wie er sich im Einkommen niederschlägt, nachweisen. Es gibt aber viele Erklärungen für diese Korrelation, die nichts mit Lernen zu tun haben. Hier sind drei davon:

  • Wir haben eine Welt geschaffen, in der einige hochbezahlte Jobs wie Jurist, Mediziner und Manager normalerweise eine längere Studienzeit an höheren Schulen erfordern. In einer solchen Welt korrelieren die Studienjahre unweigerlich mit dem Einkommen.
  • Wir haben eine Welt geschaffen, in der « Erfolg » mehr oder weniger definiert wird als das Vorweisen guter Noten im Kindes- und Jugendalter und danach als das Beziehen eines hohen Einkommens. In einer solchen Welt arbeiten die im klassischen Sinne sehr erfolgsorientierten Menschen hart für gute Noten in der Schule und für Geld im Erwachsenenleben; und schon haben wir eine Korrelation. In dieser von uns errichteten Welt besuchen außerdem nur sehr wenige Menschen keinekonventionelle Schule, weswegen es für Eltern und Kinder kaum Vorbilder gibt, wie man es auf anderen Wegen zum Erfolg bringen kann.
  • Kinder aus wohlhabenden Familien können sich mehr Schulbildung leisten als solche aus ärmeren Familien, und die bekommen sie auch. Für diese reicheren Kinder gibt es außerdem mehr Gelegenheiten zu hochbezahlten Jobs aufgrund von Beziehungen und vielen anderen Vorteilen als für jene aus ärmeren Häusern. Auch dadurch entsteht die Korrelation zwischen Studienzeit und späterem Einkommen.

Aus diesen und anderen Gründen ist ein allgemeiner Zusammenhang zwischen Schulbildung und « Erfolg » unausweichlich in unserer Welt. Es gibt jedoch keine statistische Möglichkeit zu wissen, ob irgendetwas an diesem Zusammenhang mit dem zu tun hat, was an Schulen tatsächlich gelernt wird.

 

Die Verwurzelung des Bildungsgeschäfts

Eine weitere Erklärung für die Trägheit, die dem echten Wandel unseres Bildungssystems entgegenwirkt, hat mit der weitreichenden, stark verwurzelten Natur des Bildungsgeschäfts zu tun. In den Vereinigten Staaten arbeiten derzeit* 6,8 Millionen Menschen als Lehrkräfte. Entgegen der landläufigen Meinung wird ein Lehrer besser bezahlt als ein durchschnittlicher Angestellter, und der Lehrerberuf bietet zahlreiche andere Vorzüge, darunter normalerweise Arbeitsplatzsicherheit, ausgezeichnete Ruhestandsregelungen und jede Menge Urlaub. An den pädagogischen Universitäten, die auf das Lehramt in konventionellen Schulen vorbereiten, arbeitet ein Großteil des höheren Bildungsestablishments. Die Lehrmittelindustrie hat ebenfalls mächtigen Einfluss und ist sehr lukrativ. Eine radikale Veränderung unseres Bildungssystems würde all dies in Aufruhr versetzen. Sie würde unseren Bedarf an Lehrkräften, wie sie heute definiert sind, verschwinden lassen, genauso wie den Bedarf an pädagogischen Hochschulen und den meisten, wenn nicht allen Schulbüchern.

Viele Menschen in unserer Kultur haben ein wirtschaftliches Interesse daran, das herkömmliche Bildungssystem nicht nur zu erhalten, sondern sogar noch auszuweiten. Je mehr Stunden und Jahre junge Menschen in der Schule verbringen müssen, desto mehr Lehrkräfte, Schulverwalter, Professoren der Pädagogik und Schulbuchautoren und -verleger können beschäftigt werden. Das Bildungsgeschäft funktioniert wie jedes andere Geschäft: Es versucht unentwegt zu wachsen zum Wohl derer, die von ihm profitieren.

Die Lehrmittelindustrie zieht ihre Gewinne aus kleinen Veränderungen und Modeerscheinungen. Neue Ideen, wie man Kinder motiviert, neue Fächer und neue Methoden für das Lehren alter Fächer (etwa die « ganz neue Mathe-Methode ») schaffen Jobs für Pädagogiklehrer und Schulbuchverleger. Aber ein grundlegender Wandel, wie ich ihn verschiedentlich beschrieben habe, würde das alles umkippen.

 

Allmähliche Veränderung führt zu nichts

Eine andere Hürde auf dem Weg zu der Veränderung, die ich beschrieben habe, ist die Tatsache, dass sie innerhalb einer Schule oder eines Schulsystems nicht allmählicherfolgen kann. Diese Veränderung erfordert einen Paradigmenwechsel von einer Situation, in der die Lehrer den Bildungsprozess bestimmen, zu einer, in der jeder Studierende für sein Lernen wirklich selber verantwortlich ist. Das lässt sich nicht schrittweise durchführen. So lange die Lehrer das Programm festlegen, unabhängig davon wie viele Wahlmöglichkeiten sie innerhalb dieses Programms anbieten, werden die Studenten es als die Aufgabe der Lehrer empfinden, zu entscheiden was gelernt wird, nicht als ihre eigene. Und so lange die Lehrer die Lernfortschritte der Studenten bewerten, gleichgültig wie sie es tun, werden die Studenten das Gefühl haben, dass sie den Erwartungen der Lehrer zu entsprechen haben, statt ihre eigenen festzulegen und zu erfüllen.

Tatsächlich können größere Wahlfreiheit und weniger klare Bewertungsmethoden im klassischen Schulsystem für die Studenten eine zusätzliche Belastung bedeuten. Nach solchen « liberalen » Veränderungen muss plötzlich jeder Student raten, was die Lehrer von ihm erwarten, und über die wirklichen, unausgesprochenen Bewertungskriterien spekulieren. Schule wird so zu einer Übung in Gedankenlesen. Ich selbst glaube, dass die gütigste Art und Weise des Lehrens im konventionellen Schulsystem darin besteht, Anforderungen und Maßstäbe möglichst eindeutig zu formulieren, damit Studenten ihnen entsprechen können, ohne fürchten zu müssen, dass sie die falschen Dinge lernen.

Man kann auch nicht davon ausgehen, dass sich im klassischen Schulsystem die Benotung nach und nach abschaffen lässt. Nehmen wir an, man nimmt ein Fach ins Programm auf, in dem die Schüler nicht benotet werden. Was dann passiert, ist, dass die allermeisten Studenten in diesem Fach nichts leisten werden, selbst wenn sie es möchten. In einem System, in dem andere Fächer benotet werden, betrachtet man das unbenotete Fach als irrelevant. Wie soll ein guter Student es rechtfertigen, Zeit in ein Fach zu investieren, in dem nicht bewertet wird, wenn die Bewertung in anderen Fächern erfolgt? Damit diese Mentalität sich wandelt, muss das System als Ganzes verändert werden.

 

Wie der Wandel vonstatten geht

Eine fundamentale Veränderung des Bildungswesens passiert trotz alledem, und zwar außerhalb des traditionellen Schulsystems. Sie passiert in Gruppen von Familien, die entscheiden, ihre Kinder zu « entschulen », d.h. sie zu Hause auf eine freie Art und Weise zu bilden, ohne Programm oder Leistungsbewertung, und unter Leuten, die nicht-schulische Schulen gründen, in der Art der Sudbury Valley Schule. Mitglieder dieser Bewegungen legen gemeinsam eine Reihe von neuen sozialen Normen fest, die es ihnen erlauben, Hindernisse gegenüber von Verhaltensweisen zu überwinden, die andere als nicht normal ansehen. Ihre Beobachtung von Kindern, die sich selber bilden, führt dazu, dass sie Lernen in einem neuen Licht wahrnehmen, als etwas, das man bewundert und genießt, aber nicht kontrolliert. Sie beginnen zahlreiche Beispiele von Menschen kennen zu lernen, die sich außerhalb des herkömmlichen Schulsystems frei und zufrieden selbst gebildet und anschließend zu einem in jeder erdenklichen Form erfolgreichen Leben gefunden haben, und entlarven die sich selbst erfüllenden Prophezeiungen der konventionellen Beschulung als das, was sie sind.

Es gibt keinen Grund pessimistisch über die Zukunft der Bildung zu sein. Wir müssen nur erkennen, dass es keine echten Reformen im Rahmen des etablierten Schulwesens geben wird. Sie werden weiterhin außerhalb dieses Systems stattfinden. Die schrittweise Veränderung die passiert ist, dass immer mehr Menschen die konventionelle Beschulung verlassen. Um das zu gewährleisten, müssen wir dafür sorgen, dass jeder gesetzlich dazu berechtigt ist, auszusteigen. Auf politischer Ebene sollte das für all jene die höchste Priorität darstellen, die eine Welt herbeisehnen, in der Kinder sich frei und glücklich entfalten können und in der ihnen die volle Erfahrung von Demokratie und der damit verbundenen Rechte und Pflichten gegönnt ist. ++

 

 

Übersetzung: Georges Pfeiffenschneider

 

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*2008

 

Newsletter AERO 23.04.18

Recent interesting studies on Homeschooling:

From www.educationrevolution.org

A systematic review of the empirical research on selected aspects of homeschooling as a school choice
This article gives the demographic characteristics of the U.S. homeschooling population and the reasons that parents choose to homeschool, summarizes the findings of studies on the homeschool learner outcomes of academic achievement, social development, and success in adulthood, and proposes future research on parent-led home-based education. The majority of peer-reviewed studies on academic achievement reveal a positive effect for the homeschooled students com- pared to institutional schooled students, while a few studies show mixed or negative results. Regarding social and emo- tional development, a large majority of studies show clearly positive outcomes for the homeschooled compared to those in conventional schools. A majority of the studies on the relative success of the home-educated who later became adults show positive outcomes for the homeschooled compared to those who had been in conventional schools. I recommend that the existing literature be enhanced by well-controlled non-experi- mental designs to examine adults who were homeschooled in terms of an array of knowledge, attitudes and behaviors regarding lifelong learning, rates of public welfare depen- dency, and degree of personal agency or self-efficacy.

This study explores the motivations of African American parents for choosing homeschooling for their children and the academic achievement of their Black homeschool students. Their reasons for homeschooling are similar to those of homeschool parents in general, although some use homeschooling to help their children understand Black culture and history. The average reading, lan- guage, and math test scores of these Black homeschool students are significantly higher than those of Black public school students (with effect sizes of .60 to 1.13) and equal to or higher than all public school students as a group in this exploratory, cross-sectional, and explanatory nonexperimental study.

Various scholars and policymakers have claimed that homeschooling must be regulated or controlled by the civil government to make sure that life goes well for homeschool students. Others have argued that political philosophy and empirical evidence show that private homeschool education should be left alone. This study examined whether there is a relationship between the degree of state control of homeschooling and the rate of abuse or neglect by the parents (or other legally responsible caregivers) of homeschooled children ages 6 through 17. The investigation considered the homeschool laws by state and whether they had a relationship to homeschool child abuse. Regression analysis of 18 years of data from all the U.S. states found no relationship between the degree of state control or regulation of homeschooling and the frequency of homeschool abuse.

Le homeschooling en première page du quotidien

Article

« Pour ce qui est de trouver un emploi sans diplôme c’est plus compliqué » nous dit le représentant du Ministère.

En effet, la santé d’une économie dépend de la capacité des individus à créer de nouvelles entreprises, à les développer et à générer des emplois. Selon une étude menée dans 80 pays auprès de milliers de dirigeants ceci nécessite de l’adaptabilité au changement et l’aptitude de générer des idées nouvelles. Or l’enseignement standardisé tend à détruire la créativité et l’innovation, les qualités mêmes dont dépend l’économie nouvelle. (Source Ken Robinson  « Changez l’école! » )

De plus trouver un emploi avec diplôme c’est compliqué aussi et je reste persuadée que le plus important est de préserver la curiosité naturelle des jeunes personnes et qu’il faut pour cela changer notre regard sur l’enfant et l’éducation. Si cette optique se remarque dans le projet de loi, cela ne fait cependant pas encore l’unanimité, or les choses ne peuvent vraiment changer que par le bas…. KZ

Opruff fir en anere Bildungsmodell

Opruff fir en anere Bildungsmodell

Immer wieder tauchte nach 1945 die Frage auf, ob es denkbar sei, dass es je zu einem dritten Weltkrieg kommen könne. Ich glaube, wir befinden uns schon mittendrin. Nur bemerkt es offenbar niemand, weil dieser Krieg nicht territorial, sondern zeitlich geführt wird. Wir haben einen erbarmungslosen Krieg gegen unsere eigenen Kinder und Enkel, gegen die kommenden Generationen, entfesselt. Wir werden ihnen eine verwüstete Welt hinterlassen, auf der das Leben für sie sehr schwer sein wird. Aber da sie ja nicht zurückschlagen können, fahren wir damit fort — wir können schon gar nicht mehr anders — und beruhigen unser Gewissen (sofern es nicht ganz zum Schweigen zu bringen ist) mit der Annahme, dass ihnen schon etwas einfallen wird, um unsere Gemeinheiten wiedergutzumachen. – Michael Ende

  • Firwat gët zu Lëtzebuerg net iwwert déi wierklech wichteg Froen diskutéiert?
  • Firwat verbrennt jiddereen weiderhin Dag fir Dag ongenéiert Diesel, Bensin a Kerosin, obwuel mer wëssen, dass mer domat de Klimawandel weider undreiwen a fuerchtbar Liewensbedingunge fir eis Nokomme schafen?
  • Firwat dierfen ëmmer nach Eenzelpersounen a risegen, dschungel- a wüstentauglechen Jeepen mat total ineffiziente Motoren an engem onvirstellbare Spritverbrauch iwwert eis kleng Stroosse rasen?
  • Firwat sin op RTL scho jorzéngtelaang de Sport an d’Autosakzidenter déi wichtegst Themaen, während scheinbar kee Journalist sech dofir intresséiert, dass d’Beien an d’Vullen amgaang sin auszestierwen?
  • Firwat gët an de Caféën net iwwert den Happy Planet Index diskutéiert an doriwwer, dass Lëtzebuerg vun alle Länner dobei am schlechsten ofschneit?
  • Firwat gin d’Leit op d’Strooss fir iwwert Krëschtmäert ze flanéieren, awer net fir géint déi hallef futtis Atomkraaftwierker an der Grenzregioun ze protestéieren?
  • Firwat kafe mer eisem Nowuess gesondheetsschiedlech Plastikspillsaachen aus China a stäerken domat ausserdeem een Onrechtsregime?
  • Firwat gët vun eiser Regierung indirekt Reklamm fir Waasser a Plastiksfläsche gemaach a kréien d’Kanner bei organiséierte Fräizäitaktivitéiten Waasser a Plastiksfläschen ausgedeelt, obwuel d’Gestioun vum Plastikoffall all Dag méi ee risegen, globale Problem gët?
  • Firwat investéieren eng grouss Zuel vun erwuessene Männer vill Fräizäit an Alkohol, Autoen, Computerspiller a Sportresultater, amplaz sech fir dréngend sozial an ökologesch Froen z’engagéieren?
  • Firwat gi mer hemmungslos Geld aus fir ëmmer dee leschte Modell vu Smartphone an Tablet an der Täsch ze hun a produzéieren esou Onmassen vun Elektroschrott mat all séngen negative Folge fir Mënschen op der südlecher Hemisphär?
  • Firwat as de Lëtzebuerger hire Fleeschkonsum ëmmer nach ee vun den héchste vun der Welt, obwuel gewosst as, dass en zu engem beträchtlechen Deel zum Landverbrauch an zuer Klimaverännerung bäidréit a fir onzieleg Déieren onvirstellbaart Leed bedeit?

Loosse mer mol no e puer méiglechen Erklärunge sichen.

1. Mir si Sadisten.

2. Mir sin dem kollektive Wahnsinn verfall.

3. Mir si süchteg no destruktive Verhalensweisen a kënnen net domat ophalen.

4. Mir sin emotional net fäeg mat all deene schrecklechen Noriichten ëmzegoen a verdrängen se dowéinst.

5. Mir weigeren eis ze gleewen, wat Etüden a Statistiken iwwert den Impakt vun eisem Verhalen aussoen.

6. Mir si voller Hoffnung, dass iergend ee Gott oder een technologescht Wonnermëttel eis Problemer fir eis wäert léisen.

7. Mir sin esou onbewosst, dass mer iwwerhaapt net matkréien wat leeft.

8. D’Natur huet ee vun der Evolutioun an eisem Gehier verstoppte Suizid-Gen aktivéiert, als Sécherung a lescht Mëttel géint eis Bedrohung vun der Ökosphär.

9. Eis Erzéiung a Bildung loossen an eis net déi Kompetenzen opbléien, mat deene mer déi aktuell Erausfuerderunge kéinte bewältegen.

Obwuel besonnesch deen zweetläschte Facteur fir mech ganz novollzéibar kléngt, tendéieren ech dozou, dee leschten als dee wahrscheinlechsten ze betruechten– och wann dat vläicht fir d’éischt emol iwwerrascht.

Eis Erzéiung a Bildung loossen an eis net déi Kompetenzen opbléien, mat deene mer déi aktuell Erausfuerderunge kéinte bewältegen. Ech wëll et nach méi krass formuléieren: Eisen Dinosaurier-Schoulsystem ënnerdréckt an zerstéiert déi Kräften an eis, déi mer bräichte fir aus eisem betäubten a konditionéierten Hallefliewen auszebriechen an eise Planéit ze retten– bzw. fir opzehalen eis eege Liewensgrondlagen aktiv ze vernichten.

Wat sin dann elo déi Kompetenzen, woura weist sech hir Ennerdréckung duerch d’Schoul, a wat fir Konsequenzen huet dat?

De Ken Robinson beschreift aacht Kärkompetenzen, « déi d’Schoule sollte förderen, wann se de Studente wierklech hëllefe wëllen hiert Liewen ze réusséieren ». Unhand vun deene Fäegkeeten probéieren ech elo op déi Froen ze äntweren.

1. Virwëtz (Curiosity) — d’Fäegkeet fir Froen ze stellen an ze ënnersiche wéi d’Welt fonctionnéiert: D’Schoul léisst d’Schüler net eege Froë stellen an Äntwerten dorop sichen; si stellt hinne Froen iwwert dat wat se hinne fir d’éischt hirem Programm geméiss antriichtert a wat dowéinst guer keng éierlech Froë sin, mee Tester. De Schüler hir eventuell Froen dierfen sech héchstens op d' »Matière » bezéien, op dat wat déi Erwuessen als wëssenswäert betruechten, fir de Rescht gin se ofgewiert, well se den Oflaf vum Programm stéieren. Déi kuerzfristeg Konsequenz dovun as, dass déi jonk Mënschen hiren eegenen Intressi un der Welt als onwichteg erliewen a keng echt Froë méi stellen, déi laangfristeg, dass aus hinnen defätistesch Erwuessener gin, déi alles hinhuelen an z.B. hire Gesellschaftssystem net hannerfroen.

Was nützt alles Wissen, wenn die Menschen nie die Beunruhigung, die Frage gespürt haben, auf die dieses Wissen eine Antwort sein will? Was bringt es Menschen, wenn man sie unablässig mit Nahrung vollstopft, ohne dass sie Hunger haben? Sie werden krank, sie werden der Nahrung überdrüssig; sie werden gleichgültig gegenüber dem, was sie doch sättigen sollte. – Horst Rumpf

 

2. Kreativitéit (Creativity) — d’Fäegkeet fir nei Iddien ze entwéckelen an se an d’Praxis ëmzesetzen: D’Schoul découragéiert originell Approchen an Aussoen, well dës d’Uerdnung stéieren an dem Enseignant séng Sécherheet a Kontrollbestriewung ënnergruewen. D’Zil vum Schoulsystem as et schliisslech, all Schüler gefügeg ze maachen an an hir Norm ze pressen, well se sech soss selwer géif ofschafen. Duerfir däerfen déi jonk Leit och an der Konscht  just brav alles nomaachen an dobäi nëmme minimal iwwert e Molbuch-Niveau erausgoen. Dat féiert zu Mënschen, déi sech net trauen originell ze sin, déi mam Stroum schwammen an als Erwuessener net méi fäeg sin hir Individualitéit auszedrécken, mee sech d’Iddië vun anere musse kafen an an hire Gaart stellen.

Das Hauptziel der Erziehung in den Schulen sollte es sein, Männer und Frauen zu schaffen, die fähig sind, neue Dinge zu tun, nicht nur zu wiederholen, was andere Generationen gemacht haben; Männer und Frauen, die kreativ sind, erfinderisch und Entdecker, die kritisch sind und nachprüfen können und nicht alles annehmen, was ihnen angeboten wird. – Jean Piaget

3. Kritescht Denken (Criticism) — d’Fäegkeet fir Informatiounen an Iddien ze analyséieren an iwwerluechten Argumenter an Urteeler ze bilden: Well d’Schoul op Zwang baséiert, muss se déi kritesch Gedanke vum Schüler ënnerdrécken, wat hire Programm, hir Methoden an hir Bewäertung ugeet; duerfir evitéiert se et och, déi Kompetenzen ze förderen, déi zu Kritikfäegkeet an Zivilcourage féieren. Si kontrolléiert genee, a wéi enge Beräicher eng Iddi däerf ënnersicht a jugéiert gin, a gët esouguer do meeschtens eng offiziell « richteg » Analys vir. D’Schüler trauen sech kaum, dem Enseignant ze widderspriechen oder zu enger Aufgab neen ze soen, wann se hire Sënn net agesin. Eng subtil Indoktrinatioun zillt mat de Joren Mënschen erun, déi brav den « Autoritéiten » aus Wirtschaft, Medien, Staat a Kierch follechen, déi op all Publicitéit an Internet-Hoax erafalen an déi z.B. a Formatiounen ni no de Quelle froen.

Ideally, what should be said to every child, repeatedly, throughout his or her school life is something like this: ‘You are in the process of being indoctrinated. We have not yet evolved a system of education that is not a system of indoctrination. We are sorry, but it is the best we can do. What you are being taught here is an amalgam of current prejudice and the choices of this particular culture. The slightest look at history will show how impermanent these must be. You are being taught by people who have been able to accommodate themselves to a regime of thought laid down by their predecessors. It is a self-perpetuating system. Those of you who are more robust and individual than others will be encouraged to leave and find ways of educating yourself — educating your own judgements. Those that stay must remember, always, and all the time, that they are being moulded and patterned to fit into the narrow and particular needs of this particular society. – Doris Lessing

4. Kommunikatioun (Communication) — d’Fäegkeet fir Gedanken a Gefiller kloer a selbstbewosst an enger Villzuel vu Medien a Formen auszedrécken: Eleng déi üblech Sëtzuerdnung an engem Klassesall weist, aus wéi enger geschichtlecher Period eise Schoulsystem stamt; aus enger Zäit vun autoritärer, unidirectionneller Kommunikatioun, wou et drëm goung, séier an effizient Instruktiounen ëmzesetzen, wou Feedback net erwënscht war an et fir den einfache Bierger praktesch keng Mëttele gouf séng Meenung ze verbreeden. Och haut nach konzentréiert sech eis Schoul drop, déi jonk Mënsche mat formalen Aspekter vu Sprooch (Orthografie, Grammatik, Stil) ze beschäftegen a gët hinne kaum Geleenheet, als Rhetoriker opzetrieden, sachlech Argumenter auszetauschen an de Respekt virun aneren Usiichten ze trainéieren. Héchstens däerfen si mol eng Dokumentatioun mat séier gegoogelten a geprintenen Informatioune virstellen. Wann esou Mënschen d’Bildungsinstitutioune verloossen, sin se weder fäeg nach gewëllt, sech eng eege Meenung ze bilden, se matzedeelen a sachlech ze verteidegen, bzw. anere Leit hire Standpunkt genee nozelauschteren an eventuell ze integréieren.

Die wichtigere Möglichkeit, sich Wissen anzueignen, besteht … darin, mit anderen Menschen Wissen auszutauschen, weil Wissen allein einem ja noch nicht hilft, sich in der Welt zurechtzufinden. Viel wichtiger als Wissen ist ja Erfahrung. Da man nun aber nicht allein sämtliche Erfahrungen machen kann, auf die es im Leben ankommt, wäre es wichtig für die Zukunft der Schule, dass Schüler lernen, wie man sich die Erfahrungen anderer Menschen zugänglich macht. Damit ich das kann, muss ich auf andere Menschen zugehen können, dazu brauche ich soziale Kompetenz, und die hat ganz viel mit Mitgefühl und Einfühlungsvermögen zu tun. – Gerald Hüther  

5. Zesummenaarbecht (Collaboration) — d’Fäegkeet fir mat anere konstruktiv zesummenzeschaffen: Esouguer do wou an der Schoul Partner- a Gruppenaarbechten erméiglecht gin, sin d’Aufgabe seele selwer gewielt, an de Fait dass alles ëmmer bewäert muss gin erschwéiert eng konstruktiv Haltung. D’Schüler kréien déi ganz Zäit vermëttelt, dass et em Punkte geet, dass se mat hire Kollege bzw. mat Norme verglach gin, dass de Fokus um Eenzelne séngem Bäitrag läit an net um Gruppeprozess oder um Resultat. Ganz gravéierend as dobäi d’Alterssegregatioun, déi verhënnert, dass ee mat méi jonken a méi alen zesumme léiert. A ville Situatiounen as et guer net erlabt, aneren ze hëllefen, mat hinnen zesummen eng Léisung ze sichen oder sech vun hinnen inspiréieren ze loossen, well dat d’Evaluatioun erschwéiert. Dat geet souwäit, dass Schüler hir eege Kollegen verroden wann se « fuddelen ». All dës Emstänn féiere bei de spéideren Erwuessenen zu Mësstrauen vis-à-vis vu kollektiven Aarbechten, zu Näid an zu Onfäegkeet, engem Mataarbechter säi Bäitrag ze schätzen.

In den meisten Schulen besteht … eine Trennung … nach dem Alter, das ungefähr in allen Klassen gleich ist. Das ist ein grundlegender Fehler, der zu jeder Art anderer Fehler führt: es ist eine künstliche Isolierung, die die Entwicklung des sozialen Gefühles verhindert. – Maria Montessori

6. Matgefill (Compassion) — d’Fäegkeet fir anere mat Empathie ze begéinen an sech entspriechend ze verhalen: E Bildungssystem, deen op Zwang, Kontroll a Bewäertung opgebaut as, an deem de Schüler hir Intressen, Gefiller a Meenunge keng Roll spillen an an deem et haaptsächlech drëm geet, se zum Fonctionnéieren ze bréngen, as sécher kee gudden Nierbuedem fir Matgefill. Déi jonk Leit gi permanent indoktrinéiert, evaluéiert an no Defiziter ofgesicht, an da gët probéiert, dës « Feeler » äusserlech ze reparéieren. Wéi Objeën gin d’Schüler depistéiert, trainéiert, placéiert, therapéiert — eng ganz Arméi vu Spezialiste profitéiert mëttlerweil economesch vun hire « Problemer » — ouni dass een sech fir hir Liewensëmstänn, hir Meenung an hir Wënsch intresséiert. Esou entsti frustréiert, gedemütegt Mënschen, déi als Erwuessener mat Alkohol, Konsum an Eskapismus dee Manktem u Matgefill permanent musse kompenséieren an hirersäits kaum Empathie fir aner Liewewiesen opbréngen.

Compassion is not religious business, it is human business, it is not luxury, it is essential for our own peace and mental stability, it is essential for human survival. – Dalai Lama

Nobody grew taller by being measured. – Philip Gammage, professor of early childhood education

7. Geloossenheet (Composure) — d’Fäegkeet fir sech séngem Gefillsliewe bewosst ze sin an e Sënn fir perséinlech Harmonie a Balance ze entwéckelen: Fir sech selwer gutt ze kennen, anzeschätzen an ze steieren, brauch een Übung. Déi Übung gët eis an der Schoul verwiert, well mer net erlabt kréien, eis eege Leidenschaften ze entdecken an ze verfollegen, eis a ganzheetlechen Aktivitéite wéi Danz an Theater ze erfueren an eis Fortschrëtter onofhängeg vum Enseignant an no eegene Critèren ze bewäerten. Och fir méi spirituell Bestriewunge wéi Meditatioun as keng Zäit virgesin. Iwwerhaapt verhënnert den arbiträre Stonnentakt vum Horaire, dass Faszinatioun ausgelieft an e Projet ouni Zäitdrock ofgeschloss ka gin. Dëse Manktem u Geleenheeten fir Gemittsrou an ënnerlech Balance ze entwéckele féiert zesumme mat der Alterssegregatioun an dem Leeschtungs- a Geltungsdrock zu Impulsivitéit, Vandalismus an Depressioun, a méi spéit zu Problemer fir berufflechen a privaten Erausfuerderunge mat Resilienz an Ausdauer ze begéinen, fir stabil Bezéiungen opzebauen an sech a Konfliktsituatioune gedëlleg a kompromëssbereet ze weisen.

Der Mensch muss zur inneren Ruhe gebildet werden. – Johann Heinrich Pestalozzi

8. Biergersin (Citizenship) — d’Fäegkeet fir sech konstruktiv fir d’Gesellschaft anzesetzen an sech un de Prozesser ze bedeelegen déi se um Liewen erhalen: Och Verantwortung muss trainéiert gin. D’Schoul deelt hir Verantwortung net gär mat hire Schüler, si däerfe guer net oder minimal matbestëmmen, wat, wéini, wéi a mat weem geléiert gët. Iwwert d’Demokratie gët zwar geschwat, mee praktizéiert gët se net, kann se net gin, well de System nun emol net esou opgebaut as. Reegele gin dacks a manipuléierte Pseudoberodunge mat deene Jonken festgeluecht, mee hir Applikatioun fonctionnéiert kaum, well esou vill Leit kuerzzäiteg an de Klassen intervenéieren, dass sech eng Verantwortungsgemeinschaft guer net kann entwéckelen, a well ni genuch Zäit zuer Verfügung steet fir Reegelverstéiss an -ännerunge sérieux ze diskutéieren. Doduerch wuesse Mënschen op, déi sech zwar heefeg beschwéieren, awer net wësse wéi ee konstruktiv Virschléi sicht a sech net trauen mat deenen ze schwätzen déi um richtegen Hiewel sëtzen. Virun allem sin dës Mënsche politesch passiv an si intresséieren an engagéieren sech net fir d’allgemengt Wuel.

Das Ziel der Erziehung muss die Heranbildung selbständig handelnder und denkender Individuen sein, die aber im Dienste an der Gemeinschaft ihre höchste Lebensaufgabe sehen. – Albert Einstein

Am Resümee dréit eis « Dinosaurierschoul » also substanziell dozou bäi, Bierger erunzezéien, déi tendenziell naiv, konformistesch, frustréiert, konsumsüchteg, bezéiungslabil, konfliktschei, impulsiv, feig, passiv a gesellschaftlech onverantwortlech sin. An doraus entsteet eng onkreativ, egoistesch Gesellschaft, déi hir Ressourcen net uecht an hir Problemer muss vun Auslänner léise loossen.

Dës Duerstellung riicht sech iwwrégens absolutt net géint déi Leit, déi an deem System schaffen; se riicht sech géint d’Strukturen u sech, géint dat wat eis alleguer bremst, eis Méiglechkeeten ënnerdréckt an eis Zukunft op d’Spill setzt. An si rifft jiddereen op, elo mat ganzer Kraaft dozou bäizedroen, dass déi Strukture falen an nei, zäitgeméiss, fléissend, kreativ, human an holistesch Modeller wuessen.

Eigentlich kann die Welt ja durch Reformen … Reförmchen nicht mehr reformiert werden. … Wir brauchen also richtige Erschütterungen. Strukturelle Veränderungen. Wir brauchen Menschen, die wieder richtig Bildungssysteme, alte, zertrümmern und Neuem Raum geben.

– Thomas Sattelberger, ehem. Personalvorstand der deutschen Telekom

Ee Bildungsmodell, deen de jonke Mënschen hirem Recht op ganzheetlech, fräi Entfalung entsprieche wëll (an domat dem Opbléie vun deene Kompetenzen, déi di kommend Generatiounen onbedéngt fir hiert Iwwerliewe brauchen), muss sech dem Peter Gray no ë.a. op folgend Prinzipië stäipen:

  • Klorheet doriwwer, dass d´Bildung deem Jonke séng Verantwortung as. Wa Kanner wëssen dass se fir hir Bildung verantwortlech sin, dann iwwerhuelen se d’Verantwortung dofir. Wann se mengen oder hinne vermëttelt gët, dass een anere fir hir Bildung zoustänneg as an si soss näischt maache musse wéi dat, wat een hinne seet, dann tendéieren se derzou esou mann wéi méiglech ze maachen, dann iwwerhuelen se keng Verantwortung fir hir Bildung.

The ultimate aim of education is to enable individuals to become the architects of their own education and through that process to continually reinvent themselves. – Elliot W. Eisner

  • Onbegrenzt Geleenheet fir ze spillen, ze fuerschen a séngen eegenen Intressen nozegoen. Onbegrenzten Zäit, net eng Stonn den Dag, net zwou Stonnen den Dag, onbegrenzten Zäit. Et brauch Zäit fir verschidde Saachen auszeprobéieren. Et brauch Zäit, fir sech ze langweilen an d’Langweil z’iwwerwannen. Et kann een dat net duerch eng Schell, déi de Leit permanent seet wat se maache sollen, ënnerbriechen an dann erwaarden, dass se eng echt Passioun entwéckelen.

Die hintergründige Dialektik des Spiels zeigt sich darin, dass es trotz seines scheinbar zweckfreien Charakters der Entwicklung der Lebensfunktionen dient und zwar umso nachhaltiger, je weniger es zielgebunden oder entwicklungsorientiert abläuft. – Hermann Röhrs

  • Zougang zu enger Villfalt un empatheschen Erwuessenen, déi ënnerstëtzen an net bewäerten. Déi lescht Persoun déi ee beim Léieren em Hëllef froe wëll as een dee bewäert. Bei esou engem Mënsch gët een nervös. Wann een esou e Mënsch opsicht, da mat der Astellung dass ee probéiert en ze beandrocke mat deem wat ee weess, an net fir ze soen: « Ech weess dat do wierklech net an ech hätt gären e wéineg Ënnerstëtzung. » Doduerch dass d’Mataarbechter d’Kanner net bewäerte kënnen si se vill besser ënnerstëtzen.

The most important role for adults is to help kids get better at answering their own questions and meeting their own needs. The more kids can do this, the better. The less kids wind up feeling dependent on adults and what they know, the better. – Jerry Mintz

  • Ongehënnert Mëschung vu verschiddenaltrege Kanner a Jugendlechen. Dëst as absolutt primordial fir d’Schoul. D’Schoul géif net fonctionnéieren wann d’Kanner all d’selwecht al wieren, well et fir Kanner net vill ze léiere gët vun aneren, déi dee selwechten Alter hun. Si léiere vu Kanner déi méi al sin a vu Kanner déi méi jonk si wéi si selwer.

When the skills and rate of learning aren’t all on the same level, that’s when the fun begins. (…)

There’s the social side. … The older kids serve as role models, ideals, sometimes as gods, for the younger ones. Just as often, they serve as counter models. … The younger kids serve as family models for the older ones – young sibling or child roles. (…)

And there’s the learning side. Kids love to learn from other kids. First of all, it’s often easier, the child teacher is closer than an adult to the student’s difficulties, having gone through them somewhat more recently. The explanations are usually simpler, better. There’s less pressure, less judgment. And there’s a huge incentive to learn fast and well, to catch up with the mentor.

Kids also love to teach. It gives them a sense of value, of accomplishment. More important, it helps them get a better handle on the material as they teach; they have to sort it out, get it straight. So they struggle with the material until it’s crystal clear in their own heads, until it’s clear enough for their pupils to understand. – Daniel Greenberg

  • Bedeelegung un enger stabiler, integerer demokratescher Communautéit. Dat as eng Gemeinschaft an där all Kand weess, dass séng Iddien a séng Handlungen déi aner an där Gemeinschaft beaflossen. Op déi Aart a Weis wiisst et an engem Ëmfeld op, an deem et sech net nëmme responsabel spiert fir sech selwer, mee och fir déi Communautéit an där et sech entwéckelt.

Real education should educate us out of self into something far finer: into a selflessness which links us with all humanity. – Lady Nancy Astor, first female member of the British Parliament

Elo as de Moment fir – wéi iwwerall an eisen Nopeschlänner – esou engem Bildungswee, deen esouwuel de  Mënscherechter entsprécht wéi och den Ufuerderunge vun enger komplexer, global vernetzter a léisungshongreger Gesellschaft, zu Lëtzebuerg aktiv zum Duerchbroch ze verhëllefen!

(Zënter Oktober 2017 gët et iwwrégens en Aarbechtsgrupp fir d’Grënnung vun enger fräier demokratescher Schoul zu Lëtzebuerg. Fir weider Informatiounen kontaktéiert wgl. d’Association luxembourgeoise pour la liberté d’instruction  iwwer alli@mylife.lu.)

Georges Pfeiffenschneider

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Literatur:

– Ken Robinson / Lou Aronica, Creative Schools – The Grassroots Movement That’s Transforming Education, New York 2015;

– Peter Gray, Befreit lernen – Wie Lernen in Freiheit spielend gelingt, Klein Jasedow 2015;

– Daniel Greenberg, Endlich frei! – Leben und Lernen an der Sudbury-Valley-Schule, Freiamt 2014;

– Jerry Mintz, No Homework and Recess All Day – How to Have Freedom and Democracy in Education, New York 2003

– Erwin Wagenhofer, alphabet – Angst oder Liebe, Pandorafilm 2013 (DVD)

– Christoph Schuhmann, Schools of Trust – Der Aufbruch zu den Schulen von Morgen, Tologo 2016 (DVD)